„Rote-Schuhe-Aktion“ erinnert an getötete Frauen und Mädchen
Frauenbeirat informierte über Femizide

Alljährlich werden in Deutschland mehr als 300 Frauen getötet, nur weil sie Frauen sind. Am Samstag hat der Frauenbeirat in Schramberg mit seiner Aktion „Rote Schuhe – Femizide stoppen“ an diese Frauen erinnert. Jedes Paar Schuhe stand dabei symbolisch für Frauen, die durch geschlechtsspezifische Gewalt ihr Leben verloren haben.
Schramberg. Die Aktion gehe auf die mexikanische Künstlerin Elina Chauvet zurück, so die Vorsitzende des Frauenbeirats Dorothee Golm. Chauvet hatte im Jahr 2009 in Mexiko rote Schuhe auf einem öffentlichen Platz aufgestellt, um auf die Morde an Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen.
In Rottweil habe der Verein „Frauen helfen Frauen“ vergangenen Samstag auf dem Marktplatz informiert. In Schramberg hängen diese Woche wieder die Fahnen von Terre des Femmes.
Mehr als 300 Opfer in Deutschland
Nach aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes seien im Jahr 2024 in Deutschland 308 Frauen und Mädchen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet worden. Jeden Tag seien drei Mädchen und Frauen hierzulande Opfer von Gewalt oder einer versuchten Tötung. Die Dunkelziffer ist hoch. Weltweit werde die Zahl der getöteten Frauen auf 83.000 geschätzt.
Ursache sei unter anderem ein bestimmtes Geschlechterverständnis: „Frauen und Mädchen haben sich unterzuordnen.“ Mit der Emanzipation der Frauen kämen manche Männer nicht mit und „fühlen sich in ihrer Männlichkeit bedroht“. Mehr als 70 Prozent der Täter hierzulande seien Deutsche. Die Zahl der Femizide lasse sich also nicht auf Migration zurückführen, so Golm.
„Nein heißt nein“
Eine weitere Ursache sieht sie in Hassbotschaften und Gewaltphantasien im Internet. Auch steige das Bewusstsein der Frauen. „Frauen sind nicht mehr bereit, alles zu erdulden.“ Deshalb würden mehr Gewalttaten angezeigt.
Für Frauen sei wichtig, dass sie ihren Söhnen klar machen: „Nein heißt nein.“ Sie müssten lernen, dass sie Grenzen achteten und Verantwortung übernähmen.
Der Frauenbeitrat wolle Frauen ermutigen, sich Hilfe zu holen. Die Gesellschaft dürfe nicht wegschauen. „Deshalb stehen wir hier.“

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr dankte dem Frauenbeirat für seine Initiative. „Die roten Schuhe weisen auf eine schreckliche Realität hin, die oft im Verborgenen geschieht.“ Femizide seien „kein Randphänomen, es betrifft uns alle“. Die leeren Schuhe mahnten, hinzuschauen, und „klar zu benennen, was geschehen ist“.
Kein Platz für Gewalt gegen Frauen
Man dürfe die Betroffenen von Gewalt nicht alleine lassen. Alle trügen die Verantwortung, hinzusehen und zu handeln. Eisenlohr erinnerte an die regelmäßigen Sprechstunden von „Frauen helfen Frauen“ in Schramberg, Aufkleber in den öffentlichen Toiletten, auf denen die Kontaktdaten zu finden seien.
Eisenlohr betonte: „In Schramberg hat Gewalt gegen Frauen keinen Platz.“ Die Stadt stehe zusammen „für ein Leben in Sicherheit, Würde und Respekt.“

Die Mitglieder des Frauenbeirats waren bis 13 Uhr vor Ort und führten etliche Gespräche mit Menschen, die an dem Platz der roten Schuhe vorbeikamen.